Passend zu Ostern - "Matthäus-Passion" von Neumeier

"Matthäus-Passion" - Hamburg Ballet

Passend zu Karfreitag nutzte ich die Gelegenheit um John Neumeiers Ballett "Matthäus-Passion" in der Hamburgischen Staatsoper zu sehen. Es war ein wunderschönes Erlebnis!

Das moderne Ballett von Neumeier ist eine Inszenierung von Johann Sebastian Bach´s "Matthäus-Passion" und eines seiner Meisterwerke. Das Stück basiert auf dem Matthäus-Evangelium und behandelt das Ende von Jesus' Leben. Dargestellt wird vor allem das Leiden und der Tod Jesu. Das Leid, die Angst und die Auseinandersetzung der Jünger und seiner Anhänger mit ihrem Glauben ist daneben ein zentrales Thema.

Neumeiers Ballett verzichtet auf Personen-spezifische Kostüme. Alle tragen einfache, weiße Kleidung. Auch werden dem Zuschauer keine direkten Rollenzuordnungen der Tänzer mitgeteilt. Die meisten Rollen, wie z.B. Jesus, Judas und Petrus, sind dennoch gut zu erkennen. Die Arien, die immer wieder zwischen den wunderschönen instrumentalen Stücken "gesungen" werden, geben den Handlungsfaden an und so dem Publikum eine Orientierung. Da Bach's Mathäus-Passion für sich schon ein Meisterwerk und musikalisch sehr anspruchsvoll ist, wird die Musik nicht live gespielt sondern kommt vom Band.

Bedeutung

John Neumeier's "Matthäus-Passion" ist für ihn persönlich eines seiner bedeutendsten Werke. Sie stellt für ihn eine Auseinandersetzung mit seiner eigenen Religion dar und verkörpert durch Tanz seinen eigenen persönlichen Sinn, seine Kunst. Sie ist ein Ausdruck seiner religiösen Überzeugung. Obwohl dieses Ballett den christlichen Glauben darstellt, muss man kein Christ sein um das Werk genießen zu können. Es ist ein Werk das eine tiefere Bedeutung hat als nur eine Geschichte zu erzählen.

Es ist ein Werk das berührt und Fragen eröffnet: nach den eigenen Wünschen und Sehnsüchten, nach einem tieferen Sinn des Lebens, nach etwas Mystischem, Göttlichen.

Authentisch - höchst berührend.

Was mich an diesem Stück außerdem fasziniert ist die authentische Auseinandersetzung der Tänzer mit ihren Rollen. Wenn Petrus z.b. verleugnet, dass er Jesus kennt, und dann um seine eigene Integrität kämpft. Oder Judas, der sich selbst durch sein Handeln starke Qualen zufügt. Das wirkt echt, nicht gespielt. Sie tun nicht so als ob, sondern die Auseinandersetzung findet in dem Moment gerade statt. Obwohl ich selber kein Christ bin, fühlte ich mich von diesem Werk tief berührt.  Es geht um Themen, denke ich, die wir alle mehr oder weniger kennen. Eine innere Zerrissenheit z. B., ein Dilemma das wir auflösen müssen um uns weiterhin in den Spielgel schauen zu können und weiter gehen zu können. Existenzielle Themen. Stark berührend.

Die „Matthäus-Passion“ von Neumeier mit seiner wunderschönen und lebhaften Choreographie zeigt Tanzkunst auf höchstem Niveau. Die Tänzer glänzen mit ihrem Können - vor allem durch ihre persönliche Ausdrucksweise. Besonders begeisterten mich an diesem Abend Lloyd Riggins, Carsten Jung und Alexandre Riabko, deren Ausstrahlung immer wieder meinen Blick auf sich zogen.

Mehr Infos zu John Neumeier und dem Hamburger Ballett findet ihr hier: http://www.hamburgballett.de/d/index.htm